Turbo-Flitzer

Zuwachs im Hangar: Vorgestern habe ich meine im Laufe der letzten zwei Jahre angesammelten Bonuspunkte im X-Plane.Org Store auf den Kopf gehauen und meiner Turboprop-Sammlung die Epic E1000 von Aerobask hinzugefügt. Heute hatte ich dann endlich etwas Zeit für den Jungfernflug, den ich aufgrund der Tageszeit und der recht guten Wetterverhältnisse kurzerhand nach Portland (Oregon) verlegte (und natürlich auch, weil es ein tolles, frei verfügbares Szeneriepaket von Mister X für Portland gibt…).

Im ersten Anlauf wollte ich sehen, wie weit ich mit der E1000 ohne langwieriges Studium der Handbücher komme – wäre ja schließlich nicht die erste einmotorige Turboprop-Maschine, mit der ich mich auf die Socken mache… In das angenehm kurze Tutorial habe ich trotzdem einen Blick geworfen, damit ich wenigstens das Triebwerk gestartet bekomme, ohne es versehentlich abzufackeln. Das ist tatsächlich recht einfach, da weitgehend durch eine Startautomatik kontrolliert (die E1000 ist halt ein sehr modernes Flugzeug). Auch die meisten Schalter und Kontrollen im Cockpit sind für einen Piloten mit Turboprop-Erfahrung keine Überraschung, und zur Not gibt's auf dem zentralen Display die entsprechenden Checklisten.

Anhand derer war es kein Problem, die Maschine bereit zum Rollen zu machen – genau dafür sollte man aber eines beachten: Die E1000 ist ein Turboprop-Flugzeug und verhält sich auch wie ein solches. Folglich ist für das Handling am Boden der Beta-Modus bei ca. 900 RPM zu verwenden. Löst man ansonsten die Bremsen und versucht, die Rollgeschwindigkeit mittels Condition Lever und Verstellpropeller zu kontrollieren, rast die Maschine einfach los, und man landet schneller im nächsten Gebäude, als man bremsen kann. Wer damit zu kämpfen hatte, befindet sich wahrscheinlich in bester Gesellschaft: die Notwendigkeit für die Verwendung des Beta-Modus beim Rollen ist bei den diversen X-Plane Turboprop-Modellen sehr unterschiedlich umgesetzt – manche Modelle rollen dann sogar einfach rückwärts…

Der Takeoff Run verlief da schon eher wie erwartet: ein leichter Zug nach links durch das Drehmoment des Propellers, und dann… klebte die Kiste doch einfach am Boden, trotz einigermaßen korrekter Trimmung. Tatsächlich tut sich die E1000 etwas schwer, in die Luft zu kommen und benötigte bei mir im Test eine relativ hohe Abhebegeschwindigkeit (V2 ≈ 120 Knoten). Ob das der Auslegung auf hohe Geschwindigkeiten oder fehlenden Performance-Daten bei der Modellierung geschuldet ist, kann ich mangels „echter“ E1000-Erfahrung natürlich nicht sagen.

Im Flug verhält sich die E1000 wie ein Rennwagen. Steigraten von über 2.000 ft/min sind kein Problem; kurzfristig geht sogar noch mehr. Nimmt man den Leistungshebel nicht deutlich zurück, überschreitet die Maschine schnell den maximal gesunden Airspeed. Die Maschine lässt sich recht gut von Hand steuern; hier zahlt es sich aber aus, wenn man Pitch Trim und Aileron Trim direkt am Joystick verstellen kann – und auch ein wenig Übung darin hat. Der Autopilot ist simpel zu bedienen und funktioniert schlicht wie erwartet: hinter der hübsch modellierten Kontrolltafel werkelt nämlich der X-Plane Standard-Autopilot, und der macht in diesem Fall seine Sache recht ordentlich.

Während der Autopilot seinen Job tat, hatte ich ein wenig Zeit, mir die Avionik etwas näher anzuschauen. Aerobask hat in der E1000 eine Variante des Garmin G900 Glascockpits verbaut – Variante deshalb, weil hier keine tiefschürfend akkurate Nachbildung der Systeme zu finden ist, sondern ein pragmatischer Kompromiss zwischen „sieht echt aus“ und „ist einigermaßen intuitiv zu bedienen“. Dabei hat Aerobask viel Wert darauf gelegt, dass alle Instrumente gut ablesbar sind, egal aus welchem Winkel und in welcher Zoom-Stufe man drauf guckt.

Mein Fazit: Die E1000 macht Spaß, und genau dafür ist sie gedacht. Das Handling ist recht intuitiv, das Modell sieht verdammt gut aus (schönes 3D-Modell, tolle Texturen), und wer mag schon gerne langsame Flugzeuge…? Auf der anderen Seite darf man dafür kein „Study Level“ Modell erwarten, denn das ist die E1000 in meinen Augen nicht. Für einen entspannten Kurztrip von und zu kleineren Flughäfen ist dieses Modell aber genau das richtige.

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