Reboot.

I amar prestar aen,
Han mathon ne nen,
Han mathon ne chae
A han noston ned 'wilith

Auch meine Welt ist im Wandel, und das beständig. Im letzten Jahr hat besagter Wandel allerdings einen Sprint eingelegt, und vieles, was einst war, ist – nun, vielleicht nicht verloren, sondern schlicht anders (wir wollen es dann mit der Dramatik hier doch nicht übertreiben…)

Interessen ändern sich, Prioritäten verschieben sich. Familie und Beruf bilden die große Klammer, unter der sich Hobbys und sonstige Freizeitgestaltung (oder Vernichtung?) bewegen dürfen. Und so war es an der Zeit, all die Veränderungen in Familie, Beruf, persönlicher Interessen und der Welt drumherum einmal zu Wort kommen zu lassen und alte Zöpfe abzuschneiden.

Ziemlich genau 15 Jahre ist es jetzt her, dass ich meinen ersten Mietserver bestellte und in Betrieb nahm. Damals noch eine lächerlich schmalbrüstige Kiste mit gerade einmal 600 MHz (und nur einem Celeron-Kern!), 256 MiB Arbeitsspeicher und stolzen 20 GiB Festplatte. Mein erstes Server-Betriebssystem war damals S.u.S.E. Linux 7.1 – im Laufe der Jahre kamen Debian, Ubuntu, Gentoo Linux, OpenBSD und die letzten acht Jahre dann FreeBSD an die Reihe. Ein Hobby also, das mich über 15 Jahre begleitet hat, und in dem ich wohl zurecht behaupten darf, eine gewisse Expertise erworben zu haben. Diese Ära geht nun dem Ende entgegen – noch sind meine letzten beiden Server nicht abgeschaltet, aber die Tage ihres Betriebs sind nun gezählt. 

Gründe dafür ließen sich viele anführen. Im wesentlichen lässt es sich aber auf die Formel „keine Zeit, keinen Bedarf, kein Interesse“ reduzieren – gerne jeweils um das Wörtchen „mehr“ ergänzt. Zeit hat natürlich mit den Veränderungen in meinem Umfeld zu tun, genauso aber auch mit neu hinzugekommenen Interessen. Bedarf entsteht und vergeht mit der technologischen Entwicklung, genauso aber auch in Verbindung mit weiteren Interessen und Freizeitaktivitäten. Und Interessen ändern sich nunmal, werden von anderen, neuen Interessen verdrängt und schließlich abgelöst.

Was also ist passiert? Unsere Familie ist gewachsen, ich bin nun nicht mehr nur Ehemann, sondern auch Vater. Im Berufsleben gab es Veränderungen; ich bin nun nicht mehr nur Mitarbeiter, sondern auch Führungskraft. Wir wohnen nicht mehr in einer Mietwohnung (mit Hausmeister-Service), sondern in unserem eigenen Haus mit Garten. Und ich habe ein altes Hobby wiederentdeckt, das lange ein Schattendasein hinter Serverbetrieb und Programmierprojekten fristete: die virtuelle Fliegerei. Privat und im Beruf für andere Menschen verantwortlich zu sein (jedenfalls mehr als früher) fordert seinen Tribut in Form von Zeit sowie mentaler und emotionaler Energie. Auch für Haus und Garten muss zumindest ein Minimum an Zeit bleiben. Die Server waren daneben ein Hobby, das tagtäglich Aufmerksamkeit und Zeit forderte – und damit mehr, als ich heute zu geben bereit bin. Mein neues altes Hobby, die Flugsimulation, ist dagegen regelrecht pflegeleicht: Wenn ich freie Zeit habe, fliege ich – wenn nicht, dann eben nicht.

Hinzu kommen die Veränderungen, die der technologische Fortschritt so mit sich gebracht hat. Letzten Endes dienten meine Server vor allem als Mail-, Jabber- und Webserver. Die Sauerbraten Gameserver wurden nur noch wenig genutzt, und meine Entwicklungsprojekte hatte ich ohnehin bereits zu GitHub ausgelagert. Vor 15 Jahren sah das noch ganz anders aus: Was man nicht selbst auf dem Server konfigurierte, war gar nicht oder kaum zu bekommen. Maildienste mit IMAP waren die absolute Ausnahme, Code-Repositories bekam man höchstens bei SourceForge (und dort auch nur mit Einschränkungen), und Webhosting mit dynamischen Inhalten, die über ein Gästebuch-Perlskript hinaus gingen waren ebenfalls nur eingeschränkt verfügbar.

Heute sieht es da ganz anders aus: Gute, Privacy-orientierte und professionelle Maildienste sind für kleines Geld zu haben (z. B. bei mailbox.org), Chats laufen heute über Smartphone-Apps wie Threema oder WhatsApp, Bilder und Videos teilt man per Cluster, leicht zu pflegende Webseiten kann man sich heute ebenfalls mit einer App zusammenklicken, ohne selbst ein CMS installieren zu müssen, und für Code-Projekte gibt es GitHub und BitBucket, garniert mit Zusatzdiensten wie Travis CI, Trello, HuBoard & Co. Benötigt man doch mal eine selbst gehostete Webapplikation, beschafft man sich eben irgendwo ein Stückchen Cloud und wirft sie da hinein. Am Ende rechnet sich das sogar finanziell: Selbst mehrere kostenpflichtige Accounts (Mail, Web, Projekthosting und Cloud) summieren sich bei weitem nicht zu dem Betrag, den die Miete für einen Server ausmacht – meine Arbeitszeit für die Administration nicht mitgerechnet…

Diese Website ist eine direkte Konsequenz aus diesen Überlegungen – kein eigener Server oder Webspace, kein eigenes CMS, sondern schlicht und einfach mit Jimdo zusammengebaut. Nicht nerdig genug? Vielleicht, aber auf jeden Fall zeitsparend und bequem…

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