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My Universe Blog » Entries Tagged as politics

Verwertungsgesellschaft für's Internet

Posted by Jesco Freund at March 5, 2012 11:52 a.m.

Schwarz-Gelb setzt zu einem neuen Höhenflug der Genialität an: Um die Rechte von Urhebern im Internet zu stärken, sollen gewerbliche Anbieter wie Suchmaschinen künftig für die Verwendung von Presseerzeugnissen an deren Erstvermarkter löhnen. Der Kracher an der Geschichte ist, wie das umgesetzt werden soll: Die Regierung plant, hierfür eine Rechteverwertungsgesellschaft ins Leben zu rufen, die dann bei den Content-Zweitverwertern kassieren geht.

Für mich klingt das stark nach GEMA, oder zumindest einem ähnlichen Modell. Ich will ja nicht schwarzmalen, aber irgendwie habe ich kein gutes Gefühl bei der Sache. Zunächst einmal halte ich es für fragwürdig, ob überhaupt identifizierbar ist, in welcher Stufe der Verwertung bestimmter Content angeboten wird – eine Suchmaschine müsste also auch im Zweifel für von dritten recycleten Content einen Obulus abdrücken. Technisch ist es derzeit nicht machbar, die Stufe der Weiterverwertung festzustellen.

Sodann gibt es neben den technischen Bedenken auch noch einige, die sich an das Verfahren ansich richten: Was wird denn von dieser Verwertungsgesellschaft als Presseerzeugnis betrachtet? Wie kann ich als Betreiber einer privaten Website unterbinden, dass diese Inkassotruppe sozusagen in meinem Namen bei privat betriebenen Planeten abkassiert und damit deren Betrieb unmöglich macht – oder schlimmer noch, bei Google abkassieren geht; eventuell mit der Folge verbunden, dass Google schlicht meine Seite aus dem Index schmeißt, um dafür nicht mehr zahlen zu müssen. Denn welche Relevanz haben die paar Angebote aus Deutschland schon im weltweiten Kontext des gesamten Internet?

Das wäre dann Problem Nummer 3: Warum sollte eine Suchmaschine dafür zahlen, dass sie Content zugänglich macht? Hier haben offensichtlich die Internetausdrucker wieder mal zugeschlagen. Welches Interesse haben die Content-Anbieter denn, bei den großen Suchmaschinen nicht mehr gelistet zu werden? Wer bei Google nicht im Suchindex auftaucht, existiert faktisch für das Internet nicht. Man kann von dieser Machtposition halten was man will, aber derzeit ist es eben so.

Eines muss man Schwarz-Gelb aber lassen: Sie haben einen geschickten Zeitpunkt gewählt, um diese Katze aus dem Sack zu lassen. Neben der ganzen Empörung über die vermuteten Manipulationen bei den russischen Präsidentenwahlen ging diese Meldung fast unter – zumal die Mainstream-Medien sich bei der Berichterstattung auffällig zurückhalten. Fragt sich natürlich warum – ein Schelm, wer böses dabei denkt…

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Piraten, BGE und die Diskussion darüber

Posted by Jesco Freund at Dec. 11, 2011 10:04 a.m.

Auf dem letzten Bundesparteitag haben die Piraten einen Antrag gebilligt, der die Einführung eines Bedingungslosen Grundeinkommens vorantreiben soll. Ich selbst bin entschiedener Gegner dieses Modells, und da es im Nachhinein zu einigen Diskussionen kam, fasse ich hier mal zusammen, was ich an Statements dazu an verschiedenen Stellen abgegeben habe – dann muss ich bei künftigen Flamewars nur noch den Link posten ;-)

Im Endeffekt sorgt der Antrag so wie er gestellt ist dafür, das auch jeder der gegen das BGE ist weiterhin die Piraten wählen kann,

Genau das halte ich unterm Strich für eine schlechte Position. Es befriedigt weder die Befürworter, noch wird es die Gegner besänftigen. So wie Du es formulierst, ist es eine klassische Nicht-Festlegung, wie sie die FDP kaum besser hätte hinbekommen können (à la „wir entlasten untere und mittlere Einkommen, falls es den finanziellen Spielraum dafür gibt“… :'().

da eine Stimme für die Piraten nicht eine Stimme für das BGE ist sondern nur eine Stimme für eine Volksabstimmung über ein BGE.

BGE-Gegner werden auch keine Volksabstimmung über das BGE haben wollen. Ich zweifle daher daran, dass dieses Kalkül aufgeht. Ich persönlich denke, den Piraten ist der aktuelle Erfolg etwas zu Kopfe gestiegen und man geriert sich nun wie die etablierten Parteien – ohne zu berücksichtigen, dass die aktuelle Zustimmung vermutlich zu großen Teilen noch Protest ist. Die Piraten waren eine wählbare Alternative, weil sie das System nicht bedienten und gleichzeitig aber auch nicht an dessen politischen Rändern agierten.

Zum anderen halte ich es für beschämend, dass solche Beschlüsse in dieser frühen Phase schon dem Aspekt der Wählbarkeit unterworfen werden – IMHO sollte sich die Partei erst ein Profil geben und dann prüfen, für wen sie damit wählbar ist. Parteien, die ihre Positionen nach Belieben den Umfragen hinterher drehen, haben wir schon genug.

Das BGE soll doch eigentlich, laut Antragstext, den Bürgern Freiheiten geben und nicht nehmen.

Das kommt auf die Begriffsdefinition „Freiheit“ an. Ich für meinen Teil orientiere mich gerne an den Freiheiten, die uns das Grundgesetz garantiert. Darunter fällt z. B. nicht die „Freiheit“, mir jeden Monat ein neues Handy kaufen zu können, oder die „Freiheit“, zu tun oder zu lassen was mir gefällt und trotzdem einen Anspruch auf Einkommen zu haben.

Es fällt aber darunter die Freiheit, über mein Handeln und damit auch über mein (z. B. soziales und geschäftliches) Leben selbst zu bestimmen, also z. B. die Freiheit, Verträge abschließen zu können, so lange diese keine Freiheiten Dritter einschränken. Diese Handlungsfreiheit und die daraus abgeleitete Vertragsfreiheit wird durch Art. 2 Abs. 1 GG garantiert.

Für die Einführung eines BGE müsste diese Handlungsfreiheit in einzelnen Punkten eingeschränkt werden – so funktionieren die bisher aufgestellten BGE-Modelle nur durch allgemein verordnete Selbstlosigkeit. Art. 2 GG schützt aber mein Recht, auch egoistisch zu handeln, wenn ich das mit meinem Gewissen (und der bestehenden Rechtslage) vereinbaren kann.

Sicherlich würde durch das BGE der Staat massiv in die Finanzen jedes Bürgers eingreifen, aber das tut er jetzt auch schon und ist meiner Meinung nach in einem Sozialstaat unabdingbar (z.b. Steuern).

Der Staat müsste nicht nur fiskalisch eingreifen (was er auch heute schon tut), sondern müsste darüber hinaus steuernd eingreifen, um sicherzustellen, dass alle gesellschaftlich notwendigen Produkte und Dienstleistungen weiterhin zur Verfügung stehen.

Und damit kommen wir zu den Kritikpunkten, die ich zum BGE äußere:

  1. Meiner Meinung nach haben die Piraten überstürzt gehandelt. Ich würde wetten, dass kaum einer, der sich beim BPT nicht enthalten, sondern mit Ja oder Nein gestimmt hat, wirklich alle Aspekte der Einführung eines BGE überblickt, noch einen Vergleich zu anderen Instrumenten inklusive Abwägung pro/contra aus dem Ärmel schütteln kann. Bevor also ein Beschluss pro oder contra BGE hätte gefasst werden dürfen, hätte eine (im Zweifelsfall mehrjährige) Überprüfungsphase stattfinden müssen. Anstelle eines neutralen Beschlusses ("die Piraten richten eine AG ein, die sich mit kurz-, mittel- und langfristigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen eines BGE befasst und in zwei Jahren eine Empfehlung vorbereitet"), haben wir jetzt einen einseitig vorbestimmten und nicht ergebnisoffenen Beschluss.
  2. War der erste Punkt noch mehr dem Verfahren gewidmet, richtet sich dieser dem Gegenstand der Kritik direkt: Die Finanzierung eines BGE ist völlig ungeklärt und war noch nie Gegenstand makroökonomischer Studien, die große, vernetzte Volkswirtschaften zum Betrachtungsgegenstand erhoben haben. Bis jetzt gab es nur Studien (und einige Feldversuche) in kleinen Regionen mit geringer globalwirtschaftlicher Vernetzung, die keine Aussagekraft für die Übertragung auf Deutschland besitzen. Grundsätzlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Geld drucken, oder bestehendes Geld umverteilen. Möglichkeit eins verbietet sich von selbst (dann hätte man zwar ein BGE, dieses besäße aber keine Kaufkraft, was wiederum Schwarzarbeit und Tauschhandel am Staat vorbei Vorschub leisten würde), und Punkt zwei bedingt, dass die zirkulierende Geldmenge außerhalb des BGE-Kreislaufs etwa 3-4 mal größer ist als der BGE-Kreislauf selbst. Das wiederum beschränkt das BGE auf eine Dimension, die der heutigen Sozialhilfe entsprechen dürfte oder sogar darunter läge.
  3. Das BGE ist laut Definition eine Transferleistung, „die bereits ohne weitere Einkommen oder bedingte Sozialhilfe existenzsichernd wäre“. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass Gesellschaftliche Teilhabe (wie von den Piraten angestrebt) und Existenzsicherung (wie in der Definition beschrieben) in meinen Augen zwei unterschiedliche Dinge sind. Darüber hinaus ist es individuell unterschiedlich, mit welchen Geldbeträgen Existenzsicherung und Gesellschaftliche Teilhabe realisiert werden können. Ein junger, gesunder Mensch hat sicherlich einen anderen Finanzbedarf zur Existenzsicherung als eine Person, die chronisch krank ist und teure Medikamente benötigt, oder schwerbehindert ist und rund um die Uhr einen Betreuer benötigt. Für solche Menschen muss es aus meiner Sicht zwingend weiterhin bedingte Transferleistungen geben, womit allerdings das Konzept des BGE ein Stück weit ad absurdum geführt würde.
  4. Ich habe noch keine überzeugende Antwort auf die Frage erhalten, wie in einer Gesellschaft mit BGE gewährleistet ist, dass Produkte und Dienstleistungen die für den Fortbestand und die Weiterentwicklung der Gesellschaft relevant sind, weiterhin in ausreichendem Umfang zur Verfügung stehen. Plattes Beispiel: Angenommen, das Finanzierungsproblem sei auf wundersame Weise gelöst worden, und jeder bekommt nun unabhängig von seiner Lebensgestaltung ein BGE, das groß genug ist, um gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Damit geht dieses BGE deutlich über Sozialhilfeniveau hinaus, denn nur essen, trinken und wohnen ist für gesellschaftliche Teilhabe zu wenig. Das ist hier aber nicht der Punkt, die Frage ist doch vielmehr, wenn jeder davon leben könnte, den ganzen Tag im Internet zu surfen, im Hochseilgarten herumzuturnen oder sich als Filmschauspieler zu betätigen, wer räumt dann den Müll weg, reinigt die Kanalisation, pflegt alte und kranke Menschen, erntet Kartoffeln, steht morgens um 3 Uhr auf, um frisches Brot zu backen, etc. Mit anderen Worten: Was bewahrt uns davor, zu einer Gesellschaft von Beratern, Friseuren und Telefondesinfizierern zu mutieren?

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Eine Frage der Verhältnismäßigkeit

Posted by Jesco Freund at Oct. 26, 2011 10:35 a.m.

Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, da trat ein gewisser Karl-Theodor zu Guttenberg von sämtlichen politischen Ämtern zurück. Sein Vergehen: (Mutmaßliche) Urheberrechtsverletzung (die Staatsanwaltschaft ermittelt noch). Dieser Rücktritt war die Kulmination einer 2monatigen öffentlichen Debatte, in der sowohl politische Weggefährten als auch der Freiherr selbst zunächst versuchten, die Anschuldigungen auszusitzen und nach Möglichkeit eben keine personellen Konsequenzen ziehen zu müssen.

Doch damit war kein Durchkommen. Opposition und Wissenschaftsverbände bliesen zur Jagd, und die deutsche Presse stieß fast einhellig ins selbe Horn. Da half auch die Glorifizierung durch einschlägige Medien nicht mehr viel, am Ende musste zu Guttenberg seinen Hut nehmen.

Heute gäbe es wieder allen Grund, sich bestimmte politische Gestalten in selber Manier vorzuknöpfen. Seit Wochen ist nun bekannt, dass in fast allen Bundesländern illegale Spionagesoftware eingesetzt wurde; in einem Bundesland bekamen die Ermittlungsbehörden die Illegalität ihres Vorgehens sogar gerichtlich bescheinigt:

Zwar ist der Beschluss des Amtsgerichts vom 02.04.2009 nicht rechtswidrig, wohl aber seine Umsetzung, soweit die grafischen Bildschirminhalte kopiert, also sog. Screenshots gefertigt wurden.

Doch seltsamerweise funktioniert bei Herrmann, Friedrich & Co. das, was beim (zumindest laut Umfragen) ungleich beliebteren Karl-Theodor zu Guttenberg nicht funktionierte: Aussitzen, Leugnen und hoffen, dass andere Weltereignisse von einem Skandal ablenken, der aus meiner Sicht noch eine andere Qualität besitzt als die Plagiatsaffäre. Immerhin wurde sich hier wissentlich über ein Urteil der höchsten Instanz deutscher Gerichtsbarkeit hinweggesetzt; damit liegt ein klarer Verstoß gegen die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit vor.

Mal drastisch ausgedrückt: Wenn sich Politiker der Exekutive und ihre Behördenapparate über Grundgesetz und Rechtsprechung auf diese Weise hinwegsetzen, was unterscheidet sie dann noch vom Sicherheitsapparat Ben Alis oder anderer ehemaliger Regierungen, die in den letzten Monaten unter Applaus auch unserer Regierung aus dem Amt gejagt wurden? Klar, dem lässt sich entgegenhalten, dass in deutschen Gefängnissen nicht gefoltert wird und die Sicherheitskräfte auch keine Heckenschützen einsetzen, um Demonstranten aus dem Hinterhalt niederzuschießen.

Dennoch wird hier ein Weg beschritten, den ich für äußerst gefährlich halte. Die Bagatellisierung verfassungswidrigen Verhaltens durch Regierungsmitglieder und Exekutivorgane ist ein erster Schritt auf dem Weg in den Unrechtsstaat. Dem muss konsequent und ohne wenn und aber Einhalt geboten werden. Die Politiker, die diesen Skandal zu verantworten haben, müssen von allen politischen Ämtern zurücktreten; das gilt auch für die Wegbereiter Schäuble und de Maizière. Gegen Beamte, die im Zuge der Trojaneraffäre rechtswidrig gehandelt haben oder (wie etwa im Falle Zierckes) entsprechende Signale an ihre Untergebenen gesendet haben, muss ein ausgangsoffenes Disziplinarverfahren eingeleitet werden; sollten dabei Verstöße aufgedeckt werden, die strafrechtliche Konsequenzen haben könnten, so müssen diese selbstverständlich durch ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft überprüft und ggf. zur Anklage gebracht werden.

Diese Forderungen sind in meinen Augen keinesfalls überzogen, sie stellen die konsequente Anwendung rechtsstaatlicher Prinzipien dar. Law & Order eben, nur dass es diesmal diejenigen trifft, die das sonst immer nur predigen und bei von ihnen weniger geschätzten Bevölkerungsgruppen angewendet sehen wollen. Was mir im übrigen besonders aufströßt, ist die Tatsache, dass die deutsche Medien- und Presselandschaft schon wieder zur Tagesordnung übergegangen ist. Fast schon symptomatisch und irgendwie nicht wirklich überraschend: Einen Urheberrechtsverletzer jagt man aus dem Amt, aber Verfassungsbruch – warum sollte sich da jemand echauffieren?

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Keinen Arsch in der Hose

Posted by Jesco Freund at Dec. 20, 2010 2:34 p.m.

Die Piraten diskutieren mal wieder. Diesmal darüber, ob die vor kurzem vom Bundesparteitag beschlossenen Programmerweiterungen richtig™ sind oder nicht. An sich nichts ungewöhnliches, traurig macht mich allerdings der Ton, der dabei an den Tag gelegt wird. Zitate wie

Keinen Arsch in der Hose. Anonym bleiben, spammen, und GockelMail benutzen. Geh zu den Grünen

in einer öffentlichen Diskussion sind schlicht beschämend und überflüssig. Leider ist das ein Trend, den ich schon eine ganze Weile bei den Piraten beobachte – kaputtreden, was andere mit viel Engagement und Zeitaufwand aufbauen wird zum Lieblingssport, verbale Sabotage und Ausfälligkeiten zur normalen Umgangsform in (elektronisch geführten) Diskussionen.

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Der JMStV wurde erlegt

Posted by Jesco Freund at Dec. 16, 2010 10:27 p.m.

Waidgerecht zur Strecke gebracht wurde er ausgerechnet durch ein mehrheitstechnisches Debakel im Landtag von NRW. Dieses Schmierentheater der letzten drei Tage war so schlecht, das hätte sich glatt jemand bei RTL2 ausgedacht haben können…

Das muss man sich noch mal auf der Zunge zergehen lassen. Die CDU (ja genau, ausgerechnet die CDU!) kündigt an, die JMStV-Novelle abzulehnen. Die vorhergehende Ankündigung der Grünen, aus „parlamentarischen Zwängen“ dafür zu stimmen, war ungewollt strategisch brilliant – aus Reflex musste die CDU ja dann dagegen sein. Geht ja gar nicht, mit den Grünen eine gemeinsame Position zu haben… die CDU hat dabei bloß vergessen, dass Rot-Grün im Landtag gar keine eigene Mehrheit hat. Bwahahahaha, was für eine Komödie!

Na ja, so darf ich mein Blog wenigstens ungeniert online lassen. Ohne Label, ohne Jugendschutzbeauftragten und auch weiterhin ohne schmutzige Bilder :-P

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Die fünfte Gewalt

Posted by Jesco Freund at Dec. 13, 2010 4:43 p.m.

Vielleicht ein bisschen theatralisch, die Presse gleich zur vierten Gewalt hochzustilisieren (hätten sie wohl gerne :-P), dennoch hat Heise da einen lesenswerten Artikel zum ambivalenten Verhältnis zwischen WikiLeaks und den etablierten Pressemedien.

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Neues zum Thema JMStV

Posted by Jesco Freund at Dec. 11, 2010 8:11 p.m.

Seit meinem letzten Eintrag zum Thema hat sich die Welt weitergedreht, und es gibt neue Informationen. Viele Leute, darunter auch Juristen, haben zu dem Thema geschrieben, gezeichnet und gebloggt. Hier mal eine Auswahl an Artikeln:

Außerdem scheint sich langsam aber sicher eine technische Ausgestaltung der Label-API abzuzeichnen.

Ich fasse mal kurz zusammen, was ich mir bis jetzt zusammengereimt habe:

  • Bei der Frage nach dem Jugendschutzbeauftragten herrscht offenkundige Uneinigkeit. Manche erachten diesen nur bei geschäftlichen Webauftritten mit entwicklungsbeeinträchtigenden Inhalten für notwendig, andere sehen diese Notwendigkeit auch bei privaten Seiten.
  • Die Abgrenzung von Nachrichtenangeboten von anderen Inhalten wird unterschiedlich gesehen – Udo Vetter betrachtet sein Blog noch als Nachrichtenangebot, andere Juristen ziehen die Grenze da enger und sprechen von Angeboten mit „reinem“ bzw. „ausschließlichem“ Nachrichtencharakter.
  • Bewertungskriterien für das Prädikat „entwicklungsbeeinträchtigend“ sind im JMStV völlig außen vor – hier liegt die Deutungshoheit offenbar bei den Lobby-Organisationen der Content-Mafia, allen voran der FSM.
  • „Entwicklungsbeeinträchtigend“ ist etwas anderes als „nicht altersgerecht“: ein durchschnittliches fünfjähriges Kind dürfte Blog-Einträge zu Python-Dekoratoren wohl kaum verstehen – traumatisierend wirken diese aber ausschließlich auf Java-Fanboys, nicht auf kleine Kinder :-P. Dasselbe lässt sich wohl auch auf die Besprechung von Filmen, Spielen oder Büchern übertragen, die nicht für Kinder geeignet sind – solange nur darüber geschrieben wird und dabei keine traumatisierenden Bilder oder Zitate abgebildet werden, ist das halt nicht altersgerecht, aber noch nicht entwicklungsbeeinträchtigend.
  • Als Publisher darf ich wohl davon ausgehen, dass reine Texte nur Kinder traumatisieren können, die schon des Lesens mächtig sind – von 3jährigen Wunderkindern muss man dabei offenbar nicht ausgehen (na prima, dann nehme ich die Pisa-Studie als Argumentationshilfe und bin immer fein raus 8-))

Welche Konsequenzen ich als privater Blogger jetzt daraus ziehen soll, ist mir allerdings immer noch rätselhaft. Eine einhellige Meinung scheint es unter Juristen jedenfalls nicht zu geben; die Gretchenfrage bleibt halt, ob in meinem Blog irgendwelche Inhalte entwicklungsbeeinträchtigend für bestimmte Altersgruppen wirken oder nicht. Aus dem, was ich als juristischer Laie aus dem Content-Sturm der letzten Wochen rausgehört habe, schließe ich für mich, dass ich wohl weitermachen könnte – allerdings immer mit dem Risiko verbunden, dass ich mich ggf. gegen eine (unberechtigte) Abmahnung juristisch zur Wehr setzen muss.

Es bleibt also spannend, wie man sieht. Eine endgültige Entscheidung für oder wider den Weiterbetrieb habe ich noch nicht getroffen – bleibt also nur, die Diskussionen weiter zu verfolgen.

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Bye Bye Internet

Posted by Jesco Freund at Nov. 30, 2010 7:47 p.m.

Zum Ende des Jahres werde ich dieses Blog und alle anderen Webangebote (u. a. die Projekte und die Müllhalde) vom Netz nehmen.

Der neue Jugendmedienstaatsvertrag ist (so gut wie) beschlossene Sache und würde mich zwingen, alle Inhalte durchzusehen und entsprechend zu labeln. Ich habe weder Zeit noch Lust, dieses zu tun – ganz nebenbei wäre ich im Zweifelsfall auch gezwungen, eine wirksam zugangsbeschränkende Alterskontrolle zu implementieren.

Mal abgesehen davon, dass eine solche Absicherung technisch kaum realisierbar ist, bin ich weder bereit, die zusätzlichen Kosten dafür zu tragen, noch bin ich bereit, das finanzielle Risiko einer Abmahnung oder eines Bußgeldes in Kauf zu nehmen, um weiterhin kostenfrei Inhalte zur Verfügung zu stellen.

Das ganze war für mich bisher Spaß und Hobby. Nun bedroht der Staat mit unklarer Rechtslage die Ausübung meines Hobbys mit Bußgeldern – da hört für mich der Spaß auf. Internet in Deutschland, geh sterben!

Update Da es diesbezüglich Nachfragen gab: Nein, es geht hierbei nicht um politisch motivierten Aktionismus; ich will mich nur selbst schützen. Sobald es eine juristisch saubere Klärung der Rechtslage gibt, werde ich darüber entscheiden, ob die Rahmenbedingungen für den weiteren Betrieb eines Blogs akzeptabel sind oder nicht.

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Viva La Revolución?

Posted by André Mühlnikel at Sept. 30, 2010 7:39 p.m.

Ich glaube es kaum. Ich kann es wirklich kaum glauben. 1000, in Worten: eintausend, Polizisten gehen gewalttätig auf Demonstranten los. Keine Verhandlung, keine Gefangenen. Egal ob Kinder, Jugendliche oder Senioren. Keine Rücksicht, keine Gnade.

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Arrrrrr

Posted by Jesco Freund at Jan. 31, 2010 11:40 p.m.

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Today I styled my notebook to look “pirate”. This is my tribute to the upcoming party convention of our local section of the German Pirate Party. I currently use Arch Linux with LXDE as desktop environment. The wallpaper is a merge of the Clarity wallpaper and the pirate flag of Jack Rackham. Since the wallpaper is GPL licensed and the Jolly Roger is Creative Commons licensed, I cannot offer the wallpaper for download, but it's quite easily reproduced: Just take GIMP, load the wallpaper, import the Jolly Roger into a new image, remove every bit of black (using the magic wand), copy the Jolly Roger onto a new layer above the wallpaper and set its layer mode to “overlay”. Together with slim, this image can also be used to create a nice login screen :-) !

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