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Python IDE All Over Again

Posted by Jesco Freund at Oct. 4, 2011 6:36 p.m.

Ich weiß, zu dem Thema gibt es gefühlt mindestens tausend Blogposts – trotzdem möchte ich dazu ein paar Worte loswerden. Eine funktionierende und benutzbare Python-IDE zu bauen, scheint ungeheuer schwierig zu sein. Noch dazu eine, die unter FreeBSD ohne Einschränkungen funktioniert. Anders kann ich es mir nicht erklären, dass es Stand heute genau eine IDE gibt, die meine Anforderungen erfüllt. Dabei lassen die sich an einer Hand abzählen:

  • Syntax-Highlighting und Code Completion für Python
  • Integrierte Unterstützung für Git
  • Lauffähig unter Linux, FreeBSD und Solaris

Es gibt zwar unzählige Editoren, die Syntax-Highlighting können – an Code Completion scheitern jedoch (fast) alle Kandidaten, insbesondere an projektinternen Verweisen und Bezeichnern. Aptana's PyDev hatte ich für einige Projekte eingesetzt – allerdings funktioniert Eclipse unter FreeBSD nur bedingt, und PyDev verheddert sich regelmäßig mit import-Anweisungen. Für Projekte, die ich zwingend unter FreeBSD entwickeln und testen muss, keine gute Voraussetzung – da funktioniert jeder normale Texteditor genauso gut oder schlecht.

NetBeans war auf einem richtig guten Weg (wenn man von den Farben für's Syntax-Highlighting mal absieht), und lief auf problemlos auf allen erforderlichen Plattformen. Nur leider hat Oracle der Python-Unterstützung den Garaus gemacht – seit Version 7 gibt es keine Python-Unterstützung mehr. Zwar soll Python für NetBeans angeblich als Community-Projekt weiterleben, bisher ist von funktionierendem Code allerdings nicht viel zu sehen.

Bleiben noch KDevelop und Anjuta, wenn man den Blick mal auf die Open Source Welt beschränkt. KDevelop hat (mittlerweile) eine gute Git-Unterstützung; an Python wird jedoch noch gearbeitet (siehe Playground). Anjuta kann zwar Python und Git (wobei auch hier Code Completion noch eine ziemliche Baustelle ist), versaut Python-Projekte aber mit seiner Autotools-Sucht (was haben die bitteschön bei einem Python-Projekt zu suchen?). Außerdem zerrt Anjuta unter FreeBSD die gesamten rottigen Gnome-Ports als Abhängigkeit hinter sich her – unschön, weil oft auf Wochen das System wieder nicht aktualisiert werden kann, wenn einer dieser Ports mal wieder eine Macke hat (einer der Gründe, warum ich unter FreeBSD wieder zu KDE zurück gewechselt bin).

Für den produktiven Einsatz muss man unter'm Strich wohl sagen, dass es keine wirklich geeignete Open Source IDE gibt, die für meine Zwecke einsetzbar wäre. Aber auch bei den kommerziellen Vertretern wird es dünn: Wing und Komodo laufen nur mit ach und krach unter FreeBSD (sind aber ansonsten gute IDEs); außerdem schrecken beide mit (zu) hohen Lizenzkosten (zumindest für jemanden wie mich, der mit seinem Code keine großen Umsätze macht).

Schlussendlich arbeite ich momentan mit JetBrains PyCharm. Die IDE ist in Java geschrieben und läuft ootb unter FreeBSD. Zur Zeit gibt's auf die Lizenzen 50% Rabatt, so dass die (ohnehin recht günstige) Lizenz für mich noch erschwinglicher wurde. Optisch ist die IDE zwar nicht so ansprechend, aber die „inneren Werte“ sind recht überzeugend: Git und sogar GitHub werden unterstützt, und die Code-Indizierung ermöglicht Code Completion vom feinsten. Allerdings ist die IDE ein bisschen lahm – die Bedienung fühlt sich zäh an (das habe ich bei anderen Java-GUI-Anwendungen auch schon besser gesehen), und der Speicherverbrauch ist enorm. Damit kann ich aber leben, zumal es leider derzeit keine attraktive Alternative gibt.

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