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Die Zukunft von MySQL

Posted by Jesco Freund at Nov. 7, 2010 1:40 p.m.

Mit der Übernahme von Sun begann Oracle, sich wie der Elefant im Open Source Porzellan-Laden zu benehmen. Zuerst traf es die gerade von Sun erst aufgebaute Entwickler-Platform Kenai, und vor kurzem wurde auch das Schicksal von OpenSolaris wohl endgültig besiegelt. Jetzt also auch noch MySQL – zumindest laut eines Berichts bei Heise.

Bevor jetzt alle losrennen und Zetermordio schreien, empfehle ich erst mal einen kühlen Blick auf die Faktenlage. Oracle hebt die Preise für die bisher bestehenden kommerziellen MySQL-Produkte an und schränkt deren Funktionsumfang teilweise erheblich ein (Storage-Engines, Cluster-Fähigkeit). Dieser Schritt ist zwar höchst ärgerlich für Bestandskunden, aber kurzes Nachdenken macht ihn erklärbar. MySQL in technischer Vollausstattung (InnoDB, Replikation, NDB) wildert im unteren Segment der Oracle Database, und das zu deutlich günstigeren Preisen.

Für zahlende Kunden wird es damit attraktiver, über alternative Optionen nachzudenken. Eine wäre, als Software-Basis auf die MySQL Community Edition zu setzen (über deren weiteres Schicksal sich Oracle allerdings noch nicht explizit geäußert hat) und sich den Support von dritter Seite zu kaufen. Sollte Oracle irgendwann den Zugang zur Community Edition ebenfalls einschränken, könnte auf MariaDB ausgewichen werden – so bliebe einem eine komplexe Migration zu einem komplett anderen Datenbank-Produkt erspart.

Der echte Schaden könnte aber tatsächlich in der Community Edition entstehen. Mit seinen bisherigen Entscheidungen hat Oracle bereits deutlich bewiesen, dass diesem Laden in puncto Open Source nicht zu trauen ist. Mich persönlich würde es nicht wundern, wenn die Community Edition über kurz oder lang ebenfalls nur noch eingeschränkt verfügbar sein wird, ähnlich OpenSolaris. Im Bereich Open Source Entwicklung hat Oracle in meinen Augen bereits einen irreparablen Schaden angerichtet – ich werde mich jedenfalls bei meinen Projekten künftig auf andere relationale Datenbanksysteme stützen, bei denen ich für die Zukunft einigermaßen sicher sein kann, dass sie weiterhin frei und im Quelltext verfügbar sein werden.

2 comments | Defined tags for this entry: MySQL, open source, Oracle, PostgreSQL

Comments

Ich glaube eher nicht daran, dass Mysql eingestampft wird.
IMHO eher aber an das Kühe melken.

Das Einstampfen von Opensolaris ist eher nachvollziehbar als direkte Konkurrenz zu Solaris als dass Mysql überhaupt mit Oracle konkurriert.
Chris Köhntopp hat zum unterschied zwischen Mysql und Oracle einen guten Artikel geschrieben.
http://blog.koehntopp.de/archives/2968-Red-vs-Blue-at-Oracle,-und-ein-paar-Gedanken-zu-Postgres.html

Weshalb die beiden Produkte nicht in direkter Konkurrenz stehen und eine Oracle Standard One kommt nach meiner Erfahrung nicht nennenswert teurer als eine Mysql Enterprice Lizenz damals unter Sun.

Matthias Weiss on Nov. 10, 2010 15:28 CET

Ich gehe auch nicht davon aus, dass Oracle MySQL einstampfen wird. Mir ist auch bewusst, dass MySQL auf ein anderes Kundensegment zielt als die Oracle DB - aber gerade im Randbereich gibt es IMHO schon Überschneidungen. Gerade hier versucht Oracle offenbar, eine schärfere Abgrenzung zu ziehen.

Wie gesagt, für zahlende Kunden ist die Preiserhöhung eben ärgerlich, mehr ist aber auch nicht passiert. Die Frage für die Hobby-Bastler bleibt halt, wie lange die Community Edition in der derzeitigen Form erhalten bleibt. Bei Java hat Oracle das IMO in akzeptabler Weise gelöst, bei anderen Open Source Projekten aus dem Sun-Portfolio hingegen nicht. Wie die Sache für MySQL ausgeht, bleibt eben abzuwarten.

Meine Entscheidung, künftig bei der Entwicklung stärker auf PostgreSQL zu setzen, hat mit beidem zu tun. Einerseits erwarte ich, dass Oracle das Profil von MySQL schärfen wird (und damit weniger Fokus auf ACID, Partitionierung, Stored Procedures & Co legen wird - genau das finde ich dann entweder in der Oracle DB oder eben bei der freien Konkurrenz). Andererseits ist da eben auch diese latente Unsicherheit in Sachen Community Edition, die momentan MySQL als Entwicklungsplattform zumindest für den Hobby-Bereich nicht gerade zur zukunftssicheren Plattform macht...

Jesco Freund on Nov. 11, 2010 21:43 CET