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Muss man eigentlich jeden Scheiß mitmachen?

Posted by Jesco Freund at Aug. 15, 2010 2:02 a.m.

Ich hatte mich ja schon einmal darüber ausgelassen, dass Betreiber von Blogs nur allzu sorglos Buttons, Comics und Videos von Servern Dritter einbinden, ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken, dass dadurch auch Informationen über jeden einzelnen Besucher an diese Dienste zurückstreuen – und zwar ohne, dass sich ein Besucher dagegen wehren könnte.

Die neueste Pest auf diesem Feld heißt Flattr. Das neue an Flattr ist der Lockstoff, mit dem Blogger und Twitterer geködert werden sollen, ihre Seiten zu verwanzen. Etablierte Dienste wie Technorati und Facebook setzten bislang nur auf die persönliche Anerkennung, vulgo Streicheleinheiten für's Blogger-Ego, um Mitspieler für die Generierung ihres Datenkapitals zu gewinnen. Der neue Mitspieler fährt da schwerere Geschütze auf.

Flattr geht mehr als nur einen Schritt weiter und bringt tatsächlich Bares ins Spiel. Die Beträge sind nicht groß, schaffen aber offenbar einen so großen Anreiz, dass auch Blogger, die ich bisher für vernünftig und datenschutzbewusst gehalten habe, ihre Seiten mit deren JavaScript-API verseuchen. Man muss sich einmal klar machen, was Flattr durch Einbindung der API alles in Erfahrung bringen kann:

  • Flattr weiß (im Zweifel), wie oft eine Seite aufgerufen wurde
  • Flattr weiß, wie oft die Seite geflattrt wurde (logisch, oder?)
  • Flattr weiß, wer welche Seiten geflattrt hat

Aus diesen Informationen kann Flattr wunderbar Profile generieren. Anhand der Flattr-Punkte, die ein User vergibt, lassen sich dessen persönliche Vorlieben direkt ablesen – meist dürfte auch ein unmittelbarer Schluss auf Interessensgebiete möglich sein. Umgekehrt weiß Flattr nicht nur, welche Blogs besonders viel lesenswerten Content enthalten (viele geflattrte Beiträge), sondern kann aus diesen Informationen auch rückschließen, wie talentiert eine Person als Autor ist und wie gut sie den Geschmack ihrer Leserschaft trifft (Verhältnis hoch bewerteter Einträge zu unbewerteten oder niedrig bewerteten Einträgen).

Versteh da mal einer die Welt – auf Google, Microsoft und den Staat wird geschimpft, sogar die Piratenpartei zwischendurch der Datenkrakerei bezichtigt (ich erinnere an die LiquidFeedback-Diskussion der vergangenen Wochen), aber Blogs darf man stillschweigend verwanzen; darüber regt sich niemand auf.

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Comments

Dazu kommt dann noch das lustige Flattr-Bildchen, dass auch Nicht-Flattr-Mitglieder beim Ansehen der Seite mitladen müssen ... das dürfte in den meisten Fällen auch bei Flattr gehostet sein. Mit allen daraus resultierenden Konsequenzen.

André on Aug. 20, 2010 15:52 CEST