Traurige Nachricht zu OpenSolaris
Posted by Jesco Freund at Aug. 13, 2010 10:39 p.m.
Im Netz kursiert ein geleaktes Schreiben (Echtheit nicht bestätigt), in dem Oracle das Ende von OpenSolaris erklärt. Künftig soll es wohl – analog zur Oracle Database – eine Express-Version geben, die zwar kostenfrei, aber nicht Open Source ist. Ob diese auch im Funktionsumfang gegenüber dem für nächstes Jahr angekündigten Solaris 11 abgespeckt sein wird, war dem Schreiben nicht zu entnehmen. Dazu passt eine Diskussion im OpenSolaris-Forum.
Das Ende von OpenSolaris zieht weitaus schwerere Konsequenzen nach sich, als vielleicht auf den ersten Blick zu vermuten ist. Einige Technologien, die im Rahmen des OpenSolaris-Projekts entwickelt wurden, sind auch in andere Open Source Projekte eingeflossen. Zu den prominenteren Vertretern gehören dabei ZFS und DTrace, die beispielsweise in FreeBSD eingeflossen sind.
Durch das aktuelle Verhalten von Oracle (monatelanges Schweigen, seltsames Gebahren gegenüber dem OpenSolaris-OGB und zuletzt die Patenttrollerei) werden diese Technologien zum Risiko für FreeBSD. Zwar dürfen ZFS und DTrace rein lizenzrechtlich problemlos als Bestandteil des FreeBSD-Kernels verteilt werden. Jedoch kann wohl derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass Oracle diese beiden Produkte als Closed Source weiterentwickelt und vom derzeit verfügbaren Quellcode ausgehende Forks mit Patentklagen bedrohen wird.
Auch wage ich zu bezweifeln, dass außerhalb von OpenSolaris und ohne Unterstützung durch ehemals Sun eine effektive Weiterentwicklung von ZFS und DTrace möglich sein wird – dazu fehlt schlicht die Manpower. ZFS beispielsweise ist bei FreeBSD eine One Man Show – für die Portierung gerade noch ausreichend, aber Weiterentwicklung wird so nicht funktionieren. Da tröstet es auch wenig, dass vor gerade mal 10 Tagen mit dem Illumos Project der Versuch gestartet wurde, ein wirklich freies OpenSolaris zu entwickeln. Auch dieser Trupp ist nicht gerade üppig mit Manpower ausgestattet, und wenn Oracle mit der Patentkeule winkt, sind die Lichter da schneller wieder aus, als dort die Sonne aufgehen kann.
Irgendwie war ja soetwas zu befürchten – Oracle ist in der Open Source Welt nicht wirklich verankert, und Larry Ellison hat schon immer keinen Zweifel daran gelassen, dass es in allererster Linies um's Geldverdienen geht. Erschreckend ist nur, dass OpenSolaris nicht die letzten Open Source Projekte sind, die durch die Sun-Übernahme in ihrer Existenz bedroht sind. Mal gucken, wen die sich als nächstes zur Terminierung vornehmen – MySQL, oder doch erst NetBeans?
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