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Gutsy auf dem Prüfstand

Posted by Jesco Freund at Nov. 18, 2007 7:02 p.m.

Um es vorweg zu sagen: ich bin kein großer Freund von Ubuntu. Das fröhlich-bunte Linux für alle war mir irgendwie schon immer suspekt. Vielleicht, weil es den Anspruch erhebt, auch für DAUs geeignet zu sein. Vielleicht aber auch, weil es auf Debian basiert (das ich ebenfalls nicht mag). Oder auch einfach nur, weil der Desktop nach der Standard-Installation so häßlich braun aussieht.

Aber da ich ja ein aufgeschlossener Mensch bin (sic!) und das neue Ubuntu 7.10 (Gutsy Gibbon) durch die Fachpresse weg über den grünen Klee gelobt wurde, wollte ich mal wieder einen Blick drauf werfen, was dran ist an dem Hype. Da ich keine Lust auf lange Downloads und die Fummelei mit dem Brenner hatte, hab ich mir kurzerhand das c't Linux Special besorgt, dem Ubuntu 7.10 als 32- und 64-Bit-Variante auf je einer DVD beiliegt. Eine Installation kam und kommt nicht in Frage, also blieb nur der Start als Live-DVD.

Beim booten dann der erste Spaß: Ich kann keine Bildschirmauflösung von mehr als 1600×1200 einstellen. Dabei würden meine Grafikkarte (Nvidia GeForce 6600) und mein Bildschirm (Samsung SyncMaster 245B) durchaus 1920×1200 Bildpunkte vertragen. Nun ja, sei's drum, das kann man ja noch ändern. Also der Live-DVD grünes Licht zum booten gegeben. Der Bootvorgang dauert ätzend lange (na ja, von DVD, ist halt nicht das schnellste Medium), und es gibt keine Möglichkeit, sich die durchlaufenden Kernel-Meldungen und den Boot-Status anzuschauen. Bei anderen Distributionen ist das schöner gelöst, da kann man wenigstens sehen, woran man hängen geblieben ist.

Zum Glück war nach einigen Minuten und merkwürdigen grafischen Zuckungen der vertraut-häßlich-braune Desktop zu sehen. In meinem jugendlichen Leichtsinn dachte ich, ich könnte doch tatsächlich mal an der Auflösung drehen – denkste. Bei 1600×1200 ist auch hier Schluss, und eine Auflösung mit einem Seitenverhältnis von 16:10 sucht man vergebens. Was das nun wieder soll, kann ich leider auch nicht sagen – selbst der quelloffene nv-Treiber erlaubt den Betrieb mit meiner Lieblingsauflösung. An der xorg.conf herumzufummeln, ist bei einem Live-System (das nicht einmal die Option kennt, nur den X-Server neu zu starten) wenig zielführend. Der zwischenzeitliche Versuch, den proprietären Nvidia-Treiber zu verwenden, scheiterte beim manuellen Neustart des X-Servers – Herzstillstand, es ging einfach gar nichts mehr.

Was bleibt unter'm Strich? Nun, das Versprechen, out of the box zu funktionieren, kann Ubuntu zumindest bei meinem Rechner nicht halten. Damit ist ein wesentlicher „Vorteil“ gegenüber anderen Distributionen oder Betriebssystemen dahin, die eine manuelle Konfiguration des X-Servers erfordern. Dumm auch, dass Ubuntu trotz vergleichsweise aktuellen Kernels mein RAID1-Array (an einem Intel 82801FR Controller) nicht erkennt und die Partitionen plattenweise auflistet – das kann z. B. Knoppix oder auch FreeBSD wesentlich besser.

Na ja, wenn meine Freundin mit den DVDs nichts anfangen kann, werde ich sie wohl beim nächsten LUG-Treffen weiterverschenken. Ich kann jedenfalls immer noch nichts damit anfangen und fühle mich daher frei, weiter fröhlich Ubuntu-Bashing zu betreiben.

5 comments | Defined tags for this entry: Debian, killfile, Linux, rant, Ubuntu

Comments

Wow welch ausführlicher und objektiver Test.

monk on Nov. 10, 2007 10:20 CET

Hast Du den Test nach dem Pasta-Essen mit der Flasche Chianti gemacht? ;-)

Karsten on Nov. 19, 2007 02:12 CET

LOL, stimme zu; so was geiles muss man erst mal hervorbringen. Schon mal ueber'n neues Hobby nachgedacht?

menetekel on Nov. 23, 2007 14:22 CET

...nach der Installation kannst du das alles problemlos konfigurieren. Man kann doch nicht anhand eines Live-Systems die Out-of-the-Box Fähigkeit eines Systems beurteilen wollen.

Tim on Jan. 29, 2008 12:15 CET

ich kann dich verstehen aber du mich als ubuntu user auch! sieh her, ubuntu liefert out of the box cfgs die funktioniern fuer ganz einfache situationen. hast du mehr ansprueche, musst du nacharbeiten.

ein bisschen frickeln musst du doch bei jeder distri. und bei gentoo oder arch-linux verbringste viel zeit damit.

ich bin mit gentoo eingestiegen. es war zwar hart anfangs, aber man hat (vom rumscheissen mit den ati treibern ausgeschlossen) viel ueber gnu/linux erfahren. deswegen empfehle ich sowas jedem den unix einfach interessiert.

mit nem neuen pc bin ich dann auf winxp umgestiegen, weil damals die scsi unterstuetzung noch gesuckt hat und ich kein bock auf kernel patchen hatte.

der neueinstieg mit ubuntu jetzt war auch fuer mich frustrierend (der grub install von der livecd hat scheisse gebaut), aber ich bleib hierbei, weil es einfach zeit und nerven schont

was auch immer ihr macht, dont drink and root...

snayle on Jan. 30, 2008 03:10 CET